Historische Hintergründe der Recamiere

Der Begriff Recamiere stammt aus dem Französischen (Récamière) und bezeichnete ursprünglich eine spezielle Liege mit zwei seitlichen Armlehnen ohne Rückenlehne. Aktuell werden mit dem Wort Recamiere sessel- bzw. sofaähnliche Möbelstücke bezeichnet, die über eine partielle Arm- bzw. Rückenlehne verfügen. Häufig sind die Lehnen nur angedeutet und reichen nicht über die komplette Länge oder Breite des Möbelstücks.

Nun zur Geschichte: Die Recamiere wurde nach der französischen Dame Salonnière Julie Récamier (1777–1849) oder auch Juliette Récamier genannt, bezeichnet. Sie heiratete in jungen Jahren einen älteren, sehr reichen Bankier und führte über viele Jahre einen Salon in Paris, der sich zu einem Treffpunkt der oberen Schicht etablierte. Viele gegenüber Napoleon kritische Persönlichkeiten hielten sich in diesem Salon auf, bis Juliette von Napoleon aus Paris verbannt wurde. Man sagt, dass er ihr zuvor aufgrund ihrer Schönheit mehrmals ein Angebot machte, die Dame in seinem Palast zu werden, welches sie jedoch ablehnte. Nach seinem Sturz kehrte sie zurück und eröffnete ihren Salon erneut. Sie galt lange Zeit als die schönste Dame der Welt. Juliette und ihr Mann Jacques-Rose Récamier (1751–1830) suchten im Jahre 1800 nach einem Künstler, der Juliette malen könnte. Sie erwählten den französischen Maler Jacques-Louis David (1748-1825) der sie dann auf einer besonderen Art Sofa malte. Dieses spezielle Sofa ist also auf diese Weise zu dem Namen Recamiere gekommen.

Im 18. Und 19. Jahrhundert wurde die Recamiere als Möbelstück aufgrund ihrer Vielseitigkeit sehr beliebt und stellte sogar eine Art Statussymbol in den Wohnräumen der oberen Schicht dar. Mitte des 19. Jahrhunderts ist sie aus der Mode gekommen und erfreute sich erst in den 20er Jahren erneut der Beliebtheit. Von da an war die Recamiere wieder öfter in den Wohnzimmern der feinen Gesellschaft zu sehen.

madame-recamier

Aktuell lässt sich beobachten, dass wie auch das Trinken von Whiskey, das Rauchen von Zigarren und Pfeifen bei den Männern auch das Stellen von alten Möbelstücken bei Damen im Trend liegt. Viele Möbelproduzenten produzieren aktuell dieses einzigartige Möbelstück, sodass es sich sogar Studenten zu den nun erschwinglichen Preisen der Nachbauten leisten können, eine Recamiere zu erwerben.

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